BARGELD VS. NEUE BEZAHLMETHODEN

Wer im Hamburger Lokal „Public Coffee Roasters“ seinen Kaffee mit Münzen und Scheinen bezahlen möchte, wird nicht weit kommen. Das schicke Café am Goldbekplatz ist das erste Geschäft in Deutschland, das Bargeld komplett verbannt und somit das bargeldlose Zahlen zur Pflicht gemacht hat. Was hierzulande bei Kunden noch durchaus Kopfschütteln und Skepsis auslösen kann, ist in anderen Ländern schon der Standard. In China sind bargeldlose Geschäfte schon länger keine Seltenheit mehr und Indien hat sämtliche 500- und 1000-Rupien-Scheine komplett aus dem Bezahl-Verkehr gezogen. Schweden plant sogar bis 2030 bargeldfrei zu werden. Für Dienstleister bedeutet das vor allem: Schnellere Zahlungsabwicklung, weniger Papierkram und damit verbundene Fehler, mehr Zeit für Kunden.

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Davon scheinen wir in Deutschland zwar noch weit entfernt zu sein, doch auch bei uns setzt der Wandel langsam aber stetig ein. Die meisten Käufe in Deutschland werden zwar in bar abgewickelt, da wir aber für höhere Beträge meistens die Karte zücken, liegt der Gesamtumsatz von Bargeldtransaktionen mittlerweile bei unter 50%. Die bargeldlose Zahlmethode der Wahl ist immer noch die Girocard, die im Volksmund immer noch ganz altmodisch „EC-Karte“ genannt wird. Karte rein (aber richtig herum bitte!), PIN eingeben, warten… Was mal das Nonplusultra des komfortablen Bezahlens war, wirkt heute irgendwie  angestaubt und überholt. Wenig überraschend also, dass das sogenannte „kontaktlose Bezahlen“ auch im bargeld-affinen Deutschland Anklang gefunden hat. In die Karte ist ein „NFC“- oder „Near Field Communication“-Chip eingearbeitet. Wie der Name andeutet, erlaubt diese Technologie aus Sicherheitsgründen den Datenaustausch nur zwischen Geräten, die sich in einem kleinen Abstand zueinander befinden. Es genügt also, die Karte einfach kurz an das NFC-Feld eines Terminals zu halten. Besonders praktisch: Bei kleinen Beträgen entfällt sogar die Eingabe der PIN.

Doch kaum hat man sich an das kontaktlose Zahlen per Karte gewöhnt, steht auch schon der nächste Trend in den Startlöchern: Bezahlen per Smartphone. Wie auch schon Digitalkameras, MP3-Player und Taschenrechner davor, wird der Geldbeutel womöglich das nächste Opfer der unaufhaltsamen Alleskönner. Die Funktionsweise ist ebenso einfach wie genial: Ein digitales Abbild der Kredit- und Girokarten wird im Telefon gespeichert - beim Bezahlen hält man einfach das Telefon an das Terminal. Nutzer einer Smartwatch können das Telefon sogar ganz in der Tasche lassen. Da für die Übertragung ebenfalls die bereits erwähnte NFC-Technologie zum Einsatz kommt, sind Händler schon bestens für diese Zahlungsmethode gewappnet. Apple Pay und Google Pay, die beiden größten Dienste dieser Art, erfreuen sich in den USA und vielen anderen Ländern bereits seit 2014 großer Beliebtheit - seit letztem Jahr sind diese beiden Dienste nun auch in Deutschland verfügbar.
Doch bei all der neuen Technik stellt sich natürlich die Frage: Wie sicher ist das ganze? Da auf dem Gerät nicht die Daten der eigentlichen Karten gespeichert werden, sondern nur eine virtuelle Kartennummer, können wichtige Informationen, die zum Kartenbetrug benötigt werden, nicht ausgespäht werden. Im Falle eines Diebstahls wird einfach die virtuelle Karte auf dem Gerät seitens der Bank gelöscht. Was den Datenschutz betrifft, hat immerhin Apple versichert, keinerlei Daten an Dritte weiterzugeben.

Bei all den neuen Zukunftsinnovationen sollten wir aber nicht vergessen, dass die Bezahlform eben eine Generationsfrage ist. Würde man seine Großeltern, seine Eltern, sich selbst oder seine Kinder fragen, so hätte jeder zu dem Thema eine andere Meinung. Aus psychologischer Sicht ist das Bezahlen durch Bargeld die größere Wertschätzung und Kontrolle über sein Vermögen. So die Großeltern und Eltern. Die Karte zu zücken, Paypal aufzurufen und einen PIN / Passwort einzugeben, ist für Generation Y ein guter Kompromiss  aus schnellem Bezahlen und der Risikominderung, sein Geld auf der Straße verlieren zu können. Die jüngste Generation mag es minimalistisch & digital, denn das Handy ist für viele das Zentrum der Existenz - ohne das nichts mehr geht, aber alles gehen soll - eben auch das Bezahlen.

Ganz gleich, ob man nun am Bargeld hängt oder nicht, Dienstleister sollten Kunden zumindest eine generationsübergreifende Auswahl an verschiedenen Bezahlmethoden anbieten. Denn gerade im Dienstleistungssektor ist es wichtig, auf dem neuesten Stand der Dinge zu sein und neue Trends nicht zu verschlafen. Obwohl noch über 80% der Deutschen gegen eine vollständige Abschaffung des Bargelds sind, können sich insbesondere junge Konsumenten durchaus mit dem Gedanken anfreunden - Tendenz steigend, wir beobachten diese Entwicklung gespannt weiter.



Autor: Murat Acar

Autor: Murat Acar

 




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